Mittwoch, 14. Februar 2018

03.02.: Ein Tag in Kumasi

Der Tag startete mit Rebeccas Geburtstag und der Überraschung, die wir für sie geplant hatten und die daraus bestand, sie beim Frühstück mit aufgehängten Luftballons und Lauftschlangen, bunten Hütchen, Tröten und zwei kleinen Torten zu erwarten Nach dem Frühstück fuhren wir mit einem für ghanaische Verhältnisse relativ luxuriösen, aber dennoch recht klapprigen Reisebus los. Aus den vorausgesagten drei Stunden Fahrt wurden am Ende doch fast sechs. Diese verbrachten einige von uns damit zu schlafen, andere zu essen, trinken, quatschen und die Umgebung zu begutachten und zu fotografieren. 
Als wir nun endlich am Hotel angekommen waren, erwarteten uns unvorbereitete Zimmer, was, wie ich später erfuhr, daran lag, dass unsere Buchung vergessen wurde. Deshalb konnten wir unsere Zimmer vorerst nicht beziehen und machten uns also gleich weiter mit unserem Reisebus auf den Weg zum Museum. In diesem wurden wir herumgeführt und uns wurde etwas über die militärische Vergangenheit Ghanas erzählt. Dabei wurde uns zunächst ein alter, kellerartiger Raum gezeigt, in den früher Menschen zum Sterben eingesperrt wurden. Außerdem sahen wir viele Bilder von ehemaligen Offizieren und Königen und verschiedene ausgestellte Waffen. Dennoch empfanden wir das Museum als nicht ganz so interessant und hilfreich - unter anderem, da wir das meiste unseres neu gewonnenen Wissens von Herrn Nürnberger bekamen, welcher gut über das Thema informiert war, anstatt von unserem Guide.
Nach dem Museumsbesuch liefen wir, geführt von unserem ghanaischen Begleiter Lucky und einem weiteren Ghanaer aus der Gegend, zum Markt. 
Meine Erwartungen von diesem waren zwar, von vielen Verkäufern angesprochen zu werden, wie es bereits vorher der Fall war, wurden jedoch definitiv überstiegen:
Meiner Wahrnehmung nach war es zunächst hauptsächlich voll, voller Menschen, welche sich in schnellem Tempo aneinander vorbeidrängten. Für mich persönlich war es irgendwie unangenehm. Die vielen Menschen und vor allem, dass wir von so vielen Ghanaern angestarrt, berührt und angesprochen wurden und gefühlt jeder zweite "Obrani!" nach uns rief. Manche Verkäufer liefen uns sogar hinterher und eine Verkäuferin packte mich so plötzlich am Arm, dass ich mich erschreckte. Es kam mir vor, als wäre es etwas sehr Besonderes für die Ghanaer, weiße Menschen hier zu sehen, weshalb sie so reagierten.
So gingen wir also, etwas eingeschüchtert von all den Eindrücken, angestarrt und uns an fremden Menschen vorbeidrängelnd, an auf dem Boden sitzenden Verkäufern und deren Waren vorbei. Diese Waren bestanden aus Dingen wie Stoffen, Seife, Gewürzen, Sonnenbrillen und Uhren, aber teilweise auch ganzen Schweinebeinen und ganzen, noch mit Augen bestückten, auf dem Boden gestapelten Fischen. Schockierend empfanden wir auch die Begegnung mit einem halbtoten Truthahn, welcher sich kaum noch bewegte und auf dem Boden lag, bevor auch noch eine Frau auf ihn trat. Aufgrund der Fische und der Tatsache, dass hier Menschenmassen bei 30 Grad schwitzten, war der Geruch zudem entsprechend streng.
Um nicht nur Schlechtes von dem Marktbesuch zu berichten - da die Erfahrung dies wirklich nicht nur war - möchte ich hinzufügen, dass es definitiv sehr interessant und einen Besuch wert war. Ich habe unter anderem dort die Erfahrung gemacht, dass die Wahrnehmung von Dingen sehr von der eigenen Einstellung abhängt. Nachdem ich eine Weile recht genervt und überfordert über den Markt gehetzt war, versuchte ich, das Erlebnis so positiv wie möglich zu sehen und möglichst viel daraus für mich mitzunehmen.
Dies gelang mir auf diese Wesie auch deutlich bessser, ich begann, den Ausflug mehr zu genießen, und kaufte auch einige Dinge.
Anschließend an den Marktbesuch gingen wir als Gruppe in ein ghanaisches Restaurant, welches sich - wie so gut wie alles hier - von unseren deutschen Normen unterschied. Während sich andere bereits Sorgen darüber machten, ob uns überhaupt etwas Essbares serviert würde, hatte ich entschieden, dem Essen eine Chance zu geben und zumindest alles zu probieren. Was ich auch tat. Alle Gerichte waren definitiv essbar, nur teilweise deutlich schärfer als unser deutsches Essen, was wir aus der Schule hier in Ghana jedoch auch schon gewöhnt waren. Gut fand ich die gebratenen Bananen und Yamswurzeln, aber das leckerste war, wie auch im Hotel in Accra, Fried Rice, welcher diesmal mit Fleisch und Nudelsalat serviert wurde.
Noch immer ungewohnt war auch hier, obwohl viele von uns dies bereits in der Schule getan hatten, dass wir teilweise mit den Händen aßen. Vor allem mussten wir darauf achten, nur mit der rechten Hand zu essen, um nicht unhöflich zu wirken. Dies wurde uns bereits am ersten Schultag von ghanaischen Mitschülern erklärt. Die Erfahrung, in einem ghanaischen Restaurant zu essen, hat sich also insofern gelohnt, als dass wir die andere Kultur und deren Essen noch besser kennengelernt haben.
Nach dem Restaurantbesuch fuhren wir nun endlich zu unserem Hotel. Zunächst wirkte alles auf den ersten Blick recht hübsch. Als wir jedoch unsere Zimmer bezogen, fiel zumindest in einigen Zimmern das relativ kleine, für zwei Personen gedachte Bett mit nur einem Kissen auf. Zudem waren wir in gewisser Weise verschreckt von der recht altmodischen Erscheinung des Hotels und Dingen wie schräg hängenden Bildern, kaputten Glühbirnen im Badezimer, Vorhängen vor Wänden und der Tatsache, dass die Wand unseres Zimmers ca. 30 cm vor der Decke aufhörte. All diese Faktoren und vermutlich auch die Tatsache, dass wir uns ziemlich reinsteigerten in unsere Panik, verleitete uns schließlich dazu, zu viert in einem Zweierzimmer zu schlafen. Das machte die Nacht doch noch irgendwie lustig und am nächsten Morgen hatten wir schon deutlich weniger Angst. Am Abend lag diese vermutlich unter anderem daran, dass wir erst so spät am Hotel ankamen und es dementsprechend dunkel war. Diese unheimliche Erfahrung brachte uns zumindest dazu, uns auf unser Hotel in Accra zu freuen und dieses mehr zu schätzen zu wissen.
Generell habe ich an diesem Tag viele neue Eindrücke gewonnen und viel Schockierendes und Ungewohntes gesehen, so dass sich meine Ansprüche und das, was ich für selbstverständlich ansehe, noch etwas mehr verschoben haben.
Alicia Düren

Sonntag, 11. Februar 2018

Shopping im Auto/ Bus

Wahrscheinlich ist schon einmal darüber berichtet worden, aber ich bin immer wieder schwer beeindruckt von dem überraschend vielseitigen Warenangebot, das man hier aus dem Auto oder Bus heraus erwerben kann:
Neben dem quasi selbstverständlichen Wasser, anderen Getränken und Essen (u.a. Plantain-Chips, Tigernuts, aus Mehl gefertigten Chips, Frozen Yoghurt, Pasteten, Brot u.v.a.m.) gibt es z.B. Haarbürsten, Extensions, Toilettenpapier, Handykarten, Kopfhörer und Selfiesticks, Kissen, kleine Hand- oder Schweißtücher, die schönen bunten Stoffe, Bonbons oder Kaugummi, Kinderspielzeug (aus Plastik natürlich), Schuhe, Bücher, Fußmatten, Schmuck, Zahnbürsten, Kissen, Handtücher, Uhren für den Wohnzimmerschrank oder den Kaminsims, Waschpulver oder große geographische Wandkarten - die selteneren Waren werden allerdings nur an großen Kreuzungen angeboten.
All das wird präsentiert, indem der Verkäufer entweder sein Sortiment in beiden Händen hält und die Arme dabei vom Körper wegstreckt oder aber gelassen auf dem Kopf balanciert. Dabei sind für uns besonders beeindruckend die über den Autodächern schwebenden riesigen Schüsseln mit den Getränken oder Snacks oder aber die kleinen Vitrinen, in denen Pasteten und anderes Gebäck angeboten werden.
Bei jeder Rotphase rollt also eine Welle von Verkäufern zwischen den Autoreihen entlang, um bei der nächsten Rotphase wieder zurückzuschwappen. Wir haben dabei immer noch Hemmungen, sie herbeizuwinken, wenn die Ampel schon auf grün gesprungen ist oder die Autoschlange wieder in Bewegung gerät, Ghanaern aber macht es offenbar nichts aus, die Verkäufer auch noch neben dem Auto oder Bus hersprinten zu lassen. Immerhin will man ja noch das Wechselgeld oder die Ware bekommen.
Viele Ghanaer träumen - auch angesichts dessen, dass es vergleichsweise nur wenige reguläre Arbeitsplätze gibt - davon, ihr eigenes 'buisiness' aufzumachen, aber dieses ist bestimmt ein sehr anstrengendes, vermutlich auch ohne große Gewinnspannen... Und man sieht durchaus auch viele Jugendliche unter den Händlern...

U. Leiters

Massenhochzeit in Ghana

"Ich liebe dich!" - "Bist du verheiratet?" - "Möchtest du mich heiraten?" - Wie alt bis du, denn ich möchte dich heiraten." - "Hast du einen Freund?"
Das sind hier in Ghana alltägliche Begleiter, wenn wir auf die Straße gehen. Wenn man antwortet, man sei nicht verheiratet, wird weiter versucht, einen von einer Eheschließung zu überzeugen.
Wenn man aber lügt und behauptet, man sei verheiratet, wird einem nicht geglaubt, da man ja keinen Ring trage.
Uns blieb also nichts anderes übrig, als nach einer Lösung zu suchen, und diese hieß ganz offensichtlich Herr Nürnberger. Es war die perfekte Lösung, da wir in Ruhe gelassen werden und auch noch unser Zukünfitger davon profitiert, da Unverheiratete in der ghanaischen Gesellschaft von geringerem Status sind.
Nun fehlen nur noch Ringe und der zwölffachen Hochzeit in ghana steht nichts mehr im Wege. (Aus Alufolie würden sie auch schon ausreichen.)
Nun aber los, Herr Obrani!

Mara Bading

Montag, 5. Februar 2018

Shining

Ein düsteres Hotel, Stille nur durchbrochen vom Brummen des Generators, flackernde Glühbirnen, Angestellte, die durch das Dunkel huschen - der Stoff, aus dem Horrorfilme gemacht werden. Und wir waren mittendrin, die einzigen Gäste! Das Gruseligste war jedoch der Service. Völlig überrascht von unserer Anreise begann das Personal im Halbdunkeln - um den Generator zu schonen, war nur jede dritte Lampe an - nach Handtüchern zu suchen. In der Tradition St. Martins wurde schließlich ein großes Handtuch in der Mitte geteilt, um auch die letzten Zimmer zu versorgen. In meinem Badezimmer gab es außerdem kein Licht. Die nette Dame von der Rezeption gab mir daher eine Tischlampe mit - eine durchaus abenteuerliche Lösung quasi mit der Lampe in der Hand zu duschen. Glücklicherweise konnte das Problem aber doch noch anders gelöst werden. Hatte ich schon erwähnt, dass das Handtuch nach Altöl roch? 
Dass sich im Laufe der Nacht ausgehend vom Spülkasten eine Wasserpfütze ausbreitete, fiel da kaum noch ins Gewicht. 

J. Nürnberger

Fortsetzung: Was ich in Ghana noch nie gesehen hatte,...

aber dieses Mal dann doch:

- Läden für Haustierfutter, entsprechendes Zubehör und "veterinarian support"
- ein Krankenhaus, das nicht nur ebenerdig angelegt ist, sondern den Eingang sogar im ersten Stock hat,
- unter den Überresten einer Hochzeitsfeier mehrere kaputte Stöckelschuhe und zerfledderte Sandalen - man scheint heftig getanzt zu haben...

U. Leiters

Das ghanaische Hospital

Heute Morgen hatte ich das Vergnügen, ein ghanaisches Hospital von innen kennenzulernen. Es war interessant, die Unterschiede zwischen den ghanaischen und deutschen Krankenhäusern zu sehen: Z.B. muss jeder Patient in diesem Krankenhaus selbst bezahlen. Es gibt verschiedene einzelne Abteilungen, die es in Deutschland nicht gibt, z.B. nimmt hier nicht der Arzt Blut ab, sondern man geht dazu zum Labor. Man bezahlt alles an einem zentralen Punkt, aber immer Schritt für Schritt: Anmeldung + Konsultation - zur Kasse, Labor - zur Kasse, Krankenhausapotheke - zur Kasse. Auf den ersten Blick wirkte das Krankenhaus weniger entwickelt. Allerdings ging es echt schnell und es war auch besser organisiert als so manches deutsche Krankenhaus.

Lena Ambold

Sonntag, 4. Februar 2018

Der größte Markt Westafrikas

Am Wochenende des 3.-4. Febr. waren wir in Kumasi, einer Stadt, die etwa 260 km von Accra entfernt ist. Nach der Busfahrt, für die drei Stunden eingeplant waren, die allerdings tatsächlich 6 Stunden dauerte, folgte ein weiteres herausforderndes Erlebnis: der größte Markt Westafrikas. Zunächst liefen wir eine halbe Stunde lang durch eine Einkaufsstraße, die voll, laut und stinkig war. Wir dachten alle, wir seien bereits auf dem Markt, bis uns Herr Nürnberger darüber informierte, dass dies erst das Vortor zur Hölle sei. Er sollte Recht behalten:
Der Markt war tatsächlich noch voller, lauter und stinkiger. Außerdem waren die Händler der felsenfesten Überzeugung, dass derjenige, der uns am festesten am Arm packt und uns am lautesten anschreit, uns am ehesten etwas verkaufen kann. Man konnte also keine zwei Schritte gehen, ohne angefasst zu werden. Als ob wir nicht schon überfordert genug gewesen wären, kam Frau Leiters auf die grandiose Idee, uns in kleinen Gruppen losziehen zu lassen. Wir waren allerdings so verängstigt, dass wir zunächst alle wie kleine Entchen Herrn Nürnberger hinterhergewatschelt sind. Schließlich haben wir aber doch noch genug Mut gesammelt, um getrennt loszuziehen.
Meine Gruppe war an einem Schmuckstand, und eine der Verkäuferinnen war total süß. Sie hat darauf bestanden, mit uns Fotos zu machen, und als ich auch ein Bild von ihr machen wollte, war sie total aus dem Häuschen. Später haben wir uns noch mit einer anderen Verkäuferin und einem kleinen Mädchen unterhalten, welches uns davon überzeugen wollte, es mit nach Deutschland zu nehmen.
Der Markt an sich war mir definitiv zu voll, laut und es gab eindeutig zu viel Fisch. Es war jedoch schön zu sehen, dass man auch an so einem Ort interessante Gespräche führen kann.

Rebecca Pelz